eine einfache, mystische Wanderung
mit Blick auf die imposanten
Bergfeuer am Karnischen Kamm

Podcastfolge: Herz Jesu Wanderung in Kartitsch

Komm mit a Gitsch in Kartitsch passend zum Herz Jesu Feuer auf eine einfache, mystische Wanderung mit Blick auf die imposanten Bergfeuer am Karnischen Kamm. Ich erzähle dir vom geschichtlichen Hintergrund, welcher Aufwand dahinter steckt und wie diese Jahrhunderte alte Tradition nach wie vor gefeiert wird.

Für meinen ersten offiziellen Wandertag habe ich meine Wahlheimat das Bergsteigerdorf Kartitsch ausgesucht, passender Weiße genau am Herz Jesu Fest am Samstag, den 25. Juni 2022.

Die ein oder anderen Zuhörer, die mich schon seit längerer Zeit verfolgen kennen das Bergdorf Kartitsch schon aus mehreren Podcastfolgen.

Wir Tirolerinnen und Tiroler sind oftmals schon ein eigenes Volk. Wir beharren auf unserer Meinung, ja oftmals wird uns sogar Sturheit nachgesagt. Wir haben zahlreiche Dialekte und sind sehr traditionsbewusst. Unzählige Bräuche werden heute noch mit viel Stolz und Dankbarkeit gepflegt. Solch ein Brauch sind auch die Herz-Jesu-Feuer, welche in Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol (Region Trentino), jährlich am Abend des dritten Samstag oder Sonntag nach Pfingsten entzündet werden. Weerberg feiert als einziger Ort Tirols jedes Jahr an einem Freitag das Herz-Jesu-Fest, nach dem alten Tiroler Gelöbnis von 1796.

Wenn der Karnische Kamm im Bergsteigerdorf Kartitsch seit über 200 Jahren nach Einbruch der Dämmerung vor dem Herz Jesu Sonntag zu brennen beginnt, kommen nicht selten auch einem alteingesessenen Tiroler die Tränen und zahlreiche Gäste und Einheimische geraten ins Staunen. Unser Land verharrt in kurze Stille. Was es mit diesem Brauch auf sich hat, möchte ich euch in dieser Podcastfolge gerne etwas näher bringen so wie ich es am Samstag Abend meinen Wandergästen erzählen konnte.

WANDERUNG

Der gemeinsame Start meiner Herz Jesu Wanderung ist um 20 Uhr beim Gemeindeamt in Kartitsch, ich darf meine Wandergäste Daniella und Pascal aus Mittewald an der Drau, Paul aus Gais, Kathrin die extra aus Bayern angereist ist und einen altbekannten Wanderfreund Burkhard aus Nürnberg begrüßen.

Es ist ein traumhaft schöner, warmer Sommertag und das Licht färbt sich schon langsam golden. Wir machen uns der Hauptstraße entlang auf den Weg nach St. Oswald, einem kleinen Ortsteil von Kartitsch.

Unterwegs können wir viele Einheimische in der Wiese bei den Vorbereitungsarbeiten sehen. Nun folgen wir dem Wiesenweg auch Künstlerweg Oswald Kollreider entlang, ich habe im vergangen Winter bereits eine Podcastfolge darüber veröffentlicht. Indem erzähle ich dir mehr über die Kunstwerke, ihre Gedichte und das Bergsteigerdorf Kartitsch. Horcht’s eini und schaug’s vorbei – es ist eine Wanderung für jede Jahreszeit. Am besten gefällt mir aber der Wiesenweg in den Sommermonaten, denn hier blühen zahlreiche Wiesenblumen entlang vom Wegesrand. Sie verleihen dem Wiesenweg seinen Namen.

Die letzten Wochen waren bei uns sehr heiß, daher haben viele Bauern ihre Wiesen in den letzten Tagen gemäht und somit Platz geschaffen für die zahlreichen Feuer-Symbole. Außerdem gab es gestern einen starken Regenfall, der heute Abend perfekte Bedingungen und keine Brandgefahr für die traditionellen Herz Jesu Feuer bringt.

HERZ JESU FEUER

Ein Fresko von 1464 in Mellaun bei Brixen beweist, dass es Herz-Jesu-Verehrungen in Tirol schon seit dem Mittelalter gibt. Im 18. Jahrhundert waren es dann die Jesuiten, die diese Verehrung besonders gefördert haben. Damals waren die Tiroler nicht sehr religiös, das Vater-Unser war fast unbekannt.

Aus biblischer Sicht beziehen sich die Herz-Jesu-Feierlichkeiten vor allem auf den Lanzenstich in das Herz des gekreuzigten Heilands, aus welchem Blut und Wasser flossen. Das Herz Jesu ist das Sinnbild und der Inbegriff der gottmenschlichen Liebe Jesu. Es ist Zeichen und Ausdruck des göttlichen Erbarmens, der »Sühne für unsere Sünden«, »unseren Frieden und unsere Versöhnung«.

Die traditionellen Herz-Jesu-Feuer entstanden während der Napoleonischen Kriege.

1796 wurde Napoleon zum Oberbefehlshaber der französischen Armee in Oberitalien ernannt, er besiegte in Norditalien die Armeen der Habsburger und drang danach bis ins steirische Leoben vor. Tirol brauchte zwar Dank eines von Kaiser Maximilian I. verliehenen Privilegs keine Truppen für die Habsburger Armee stellen und auch keine finanzielle Unterstützung leisten, musste dafür aber selbst für die Verteidigung seiner Grenzen sorgen.

Im April 1796 wurde das Land Tirol unvorbereitet in Kriegsbereitschaft versetzt, alle waffentauglichen Männer und Burschen erhielten eine militärische Schulung und schon drei Wochen später wurde ein rund 7.000 Mann starkes Heer an die Grenzen geschickt.

Um für göttlichen Beistand zu bitten, wurde am am 1. Juni 1796 in der Bozner Pfarrkirche vor dem Herz-Jesu-Bild ein feierliches Gelöbnis abgelegt, an welches mit einem jährlichen Fest erinnert werden soll. Als Herz-Jesu-Tag wurde der 2. Freitag nach dem Fronleichnamsfest gewählt. 

Man achtete im Speziellen darauf, dass dieser feierliche Schwur das ganze Land betraf, daraufhin erlebte der Landsturm einen großen Zulauf an Freiwilligen, welche bereit waren, ihr geliebtes Land Tirol mit allen Mitteln zu verteidigen. Um den Landsturm in allen Gegenden Tirols einzuberufen, entzündete man auf den Berggipfeln Signalfeuer, da diese damals die einfachste und schnellste Form der Kommunikation waren.

Die Herz-Jesu-Feuer gelten als “lodernder Beweis” der Unauflösbarkeit des Gelöbnisses aus dem Jahre 1796. Auch Andreas Hofer wiederholte dieses Gelöbnis 1809 vor der Schlacht am Berg Isel und nach dem überraschenden Sieg über die Franzosen und Bayern wurde der Herz-Jesu-Sonntag zum höchsten Tiroler Feiertag.

In Südtirol erhielten die Herz-Jesu-Feuer zusätzliche Symbolkraft im Zuge der Autonomiebewegung. Während des Faschismus waren sie überhaupt streng verboten, und 1961 sprengten Aktivisten des BAS am Herz-Jesu-Festtag in der sogenannten Feuernacht 37 Strommasten in Südtirol.

Die Herz-Jesu-Feuer sind wohl die schönsten und lebendigsten Bräuche im Tiroler Land und haben heute nur noch einen rein religiösen Charakter. Es werden keine Kosten und Mühen gescheut, um selbst an den höchsten Gipfeln helle Feuer zu entflammen. Stimmungsvoll lodern die Flammen und erleuchten den nächtlichen Himmel. Im ganzen Land finden am Herz Jesu Sonntag Gottesdienste und feierliche Prozessionen statt.

WIE WERDEN DIE EINZELFEUER HERGESTELLT?

Ich habe mich an Bernhard Kofler, allen bekannt als „Ben“, gewandt um von ihm mehr über die Herstellung der Feuer zu erfahren. Er ist Teil des Bergfeuer Komitees in Kartitsch und zeigt mir am Tag vor dem Herz Jesu Feuer wie er die Einzelfeuer herstellt. Dazu sammelt er Metalldosen vom Recyclinghof, Kerzenwachs von Kirchen und Klöstern aus der Umgebung und verwendet mit Jeansresten umwickelte Hölzer als Docht.

Bereits im Mai beginnt er mit dem Kerzengießen um jährlich zwischen 330 und 600 Dosen in seiner Garage herzustellen. Insgesamt werden in Kartitsch jährlich 3.000 bis 3.500 Einzelfeuer angezündet, welche von den Kartitschern in mühevoller Handarbeit hergestellt werden.

Die Feuer brennen bei guten Thermik bis zu 5 Stunden lang. Die Bergfeuer werden um 21 Uhr angezündet und brennen somit bis 2 Uhr Früh, manche sogar bis 4 Uhr Früh.

Bereits in den 80er Jahren war Ben das erste Mal bei den Herz Jesu Feuern dabei, seit 1994 ist er am Berg aktiv. Damals wurden noch Äste, Reisig und Autoreifen zum Feuer machen verwendet. Heute ist das Gottseidank undenkbar und gehört der Vergangenheit an.

KOMITEE

Seit fast 20 Jahren leitet Ben die Organisationsarbeit der Bergfeuer in Kartitsch. Wann, Wo und Wie die Feuer aufgestellt werden benötigt reichlich Erfahrung.

MEDIEN

Kartitsch war mit seinen imposanten Bergfeuern schon des Öfteren in den Medien und somit erlangte des Spektakel aus Kartitsch viel Aufmerksamkeit weit über die Osttiroler Landesgrenzen hinaus.

WANDERUNG

Es geht mit unserer Wanderungen weiter durch den Wald hindurch bis wir zum wetterfesten Rastplatz gelangen. Von hier aus hat man einen tollen Ausblick auf die umliegenden Täler und kann bereits erkennen wie von der Öfenspitze bis zum Hollbrucker Tal die Bergfeuer nach und nach angezündet werden. Die höchsten Feuer werden auf der Großen Kinigat auf 2.689 m entfacht, diese ist heute von rosa Wolken umgeben – es sieht fast so aus als wäre sie von rosa Zuckerwatte umhüllt. Im Schustertal wird der Berggipfel der Gatterspitze von Sonnenuntergang errötet, ein spektakuläres Bild. Meine Wandergäste und ich kommen vor Staunen kaum weiter, eine Wandergruppe ganz nach meinem Geschmack. Wir folgen dem Wiesenweg weiter bis zu seinem Beginn, wo wir auf der Wiese unter uns einer Gruppe von Jung bis Alt begeistert beim Anzünden zuschauen.

FEUERZEICHEN

Auf dem Berg oben schauen die Symbole meist sehr kurios aus, sodass man sich die fertige Figur erst gar nicht vorstellen kann. Die Formel lautet je flacher das Gelände desto mehr Verzerrung, je steiler das Gelände desto weniger Verzerrung. Es wird Wochen vorher schon bei Schönwetter das Gelände vorbereitet. Ein Team ist am Berg, mit einem breiten reflektierenden Band wird eine Figur in das Gelände gezeichnet, von unten hat eine andere Person die Formation durch ein Fernglas im Blick und gibt Anweisungen durch Funkgeräte oder Handys aus der Ferne. An einigen Stellen befinden sich einzelne Holzpflöcke pro Dose, diese dienen im Gelände als zusätzliche Orientierungshilfe für die Folgejahre, müssen allerdings nach und nach wieder ausgetauscht werden. Bei manchen Bergfeuern starten die Gruppen schon um 8 Uhr früh, in der Wiese hingegen erst um 17 Uhr.

Auf den Wiesen in Kartitsch und an den Berggipfeln des Karnischen Kamms leuchtet nun ein Lichtermeer aus christlichen Symbolen wie: Kelche, Fische, Kreuze, betenden Hände und Herzen.

Die Feuerherzen sind auch ein Sinnbild für die Sehnsucht des Menschen nach Liebe und nach Überwinden von sozialer Kälte und Gleichgültigkeit. 

Das wohl schönste Zeichen ist die Herrgott-Figur im Schustereck mit einer Länge von 150-200 m: für diese ist Ben verantwortlich und er benötigt gut 230 Feuer um sie erstrahlen zu lassen. In Kartitsch wird sehr viel Wert auf Tradition gelegt und es werden ausschließlich Symbole mit religiösem Hintergrund gestaltet.

Unsere Wanderung führt bei den Hinteregg Höfen linker Hand eine Anhöhe hoch, wir kommen an einer Harpfe vorbei und folgen nun auf gleicher Höhe dem Wiesenweg weiter bis zur Böllerhütte und Obertrojer Harpfe.

Burkhard hat schon sein Stativ aufgebaut und ist fleißig am fotografieren. Auch ich habe heute meine Kamera und Stativ mit um mittels Langzeitbelichtung tolle Aufnahmen der Herz Jesu Feuer am Karnischen Kamm zu machen. Die Böllerhütte ist er beste Aussichtpunkt für die Bergfeuer, generell ist das Bergdorf Kartitsch Dank seiner Lage auf 1.350 m prädestiniert für einen tollen Blick auf die Herz Jesu Feuer. Die Bergkette wirkt sehr nah und man hat hier den Vorteil bis in die Felswände und Berggipfel hineinzusehen.

Neben der Böllerhütte befindet sich wieder ein wetterfester Rastplatz. Das Wetter heute hält was es versprochen hat, des öfteren ist das klassische Herz Jesu Spritzl – ein kleines Gewitter am Nachmittag nicht auszuschließen. Es empfiehlt sich aber warme Kleidung und vor allem die Stirnlampe dabeizuhaben.

Von hier oben können wir schon das Festzelt unter uns hören und machen und auf dem Abstieg über die Wiesen direkt zurück zum Gemeindeamt, was für eine schöne Rundwanderung.

FEST

Anschließend lassen wir unsere gemeinsame Herz Jesu Wanderung beim Fest am Kartitscher Dorfplatz ausklingen. Organisiert wird das Fest von der Landjugend, die auch für Speis und Trank sorgen. Für die musikalische Umrahmung sind „die Bergziegen“ zuständig.

Was hat dir an dieser Podcastfolge am besten gefallen? Du hast eine Frage zu den Herz Jesu Feuer oder an mich? Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen – ich freue mich von dir zu hören

Du möchtest mehr von meiner WAHLHEIMAT DEM BERGSTEIGERDORF KARTITSCH hören? Hör rein in die anderen Folgen und lass dich inspirieren….

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