der beschauliche, sonnige Familienweg besticht
durch einen traumhaften Ausblick

Podcastfolge: der Künstlerweg

Oswald Kollreider 

In dieser Folge nehme ich euch mit in meine Wahlheimat dem Bergsteigerdorf Kartitsch, das Österreichs erstes Winterwanderdorf ist.

Das idyllische Bergdorf Kartitsch liegt im Tiroler Gailtal auf 1.350 m und ist somit der ideale Ausgangspunkt für Winterwanderungen in einer traumhaften Bergwelt. Denn das Gailtal ist eines der schönsten Hochtäler in den Alpen und seit 2018 ist Kartitsch zudem das erste Winterwanderdorf Österreichs und verspricht somit naturnahe Wintererlebnisse.

WAS MACHT EIN WINTERWANDERDORF AUS?

Ist es das Knirschen meiner Schritte im Schnee, während die Schneeflocken die tanzend vom Himmel fallen? Oder doch die besinnliche Ruhe während man durch die wunderschön verschneiten Winterwälder wandert?

Eines kann ich euch jetzt schon verraten: Ich habe seit meiner Zeit in Kartitsch, den Winter von seiner schönsten Seite kennengelernt. Schneesicherheit ist hier in Kartitsch auf Garantie. Dabei wird man mit einem Panorama auf eine einzigartige Bergwelt belohnt: den Karnischen Kamm und die Lienzer Dolomiten. Ganz nach dem Motto Osttirol – dein Berg Tirol.

WINTERWANDERWEGE IM WINTERWANDERDORF KARTITSCH

Damit die Wintergäste hier in Kartitsch von der verschneiten Winterlandschaft gar nicht genug bekommen können, wurden 9 zertifizierte Winterwanderwege angelegt. Die pink beschilderten Routen werden den gesamten Winter über gewartet und geräumt, um ein müheloses Wandern durch die verschneite Winterlandschaft zu ermöglichen. Bewusst und naturnah durch eine märchenhafte Winterkulisse – ein Urlaub zurück zum Ursprung.

In dieser Folge erzähle ich euch vom dem  Wiesenweg einem beschaulichen, sonnigen Familienweg. Er besticht mit durch einen traumhaften Ausblick und dabei muss man gar nicht viele Höhenmeter bewältigen um auf alle fünf Täler zu blicken, die man von Kartitsch aus erkunden kann.  Damit möchte ich euch einen kleinen Vorgeschmack bieten, was euch hier alles erwartet.

DER KÜNSTLERWEG

Der Künstlerweg Oswald Kollreider führt vom Gemeindezentrum in Kartitsch über den Wiesenweg nach St. Oswald. Entlang des Wiesenwegs stehen sieben Tafeln mit Bildern des Künstlers – die ich euch in dieser Folge präsentieren möchte, denn sie sind meine Wegbegleiter auf dem Wanderweg. Passend dazu haben sieben Autor*innen ihre Gedanken in Gedichten und Kurztexten festgehalten. Die Texte eröffnen eine neue, besondere Sichtweise auf die einzelnen Kunstwerke, denn sie sollen den Wandernden besinnliche Anregungen mit auf den Weg geben.

DER KÜNSTLER

Oswald Kollreider ist im Jahre 1922 in St. Oswald geboren, er studierte an der Akademie für bildenden Künste in Wien und an der Mal-und Zeichenschule Toni Kirchmayr in Innsbruck. Von 1950 bis 1990 war er weltweit unterwegs auf Reisen und Ausstellungen. In seinen letzten 20 Jahren lebte er zurückgezogen in Strassen einer Nachbargemeinde von Kartitsch. Er wird heute noch für seine künstlerische Arbeit und sein soziales Engagement weit über Osttirol hinaus geschätzt.

WALDWEG

Auf dem Weg zum Ortsteil Hinteregg kann ich schon das erste Kunstwerk namens „Waldweg“ aus dem Jahre 1967 betrachten.

Ist ein Weg, ist ein Weg. Schritte zählend das Wäldchen
durchqueren – Landvermessung. Farbabgleichend den Wald
erzählen – Lustwandeln. Im Dickicht verschwinden, den Wald
vergessen – Wegverlust. Wenn Harvester die Wälder
pflügen – Landgewinnung.

Lichtes Blau aus der Ferne, ist ein Blau, ein Blau. Ist der Sommer
im Frühling, ist der Winter im Herbst. Sein Streben im Wachsen
verborgen.
 

Erika Wimmer Mazohl

IM REGEN

Nach den letzten Höfen der Ortschaft Hinteregg, erreiche ich eine Weggabelung mit den pinken Winterwanderschildern – hier könnte man den Wiesenweg rechterhand über die Ortschaft Obertroj ausdehnen. Ich folge aber dem Schild links bis zum Einstieg in den Wiesenweg, der Weg führt eine leichte Anhebung hoch – hier steht auch schon das zweite Kunstwerk „im Regen“ aus dem Jahre 1968.

Ein guter Schirm hat zehn Kiele.
Ein schöner Schirm wird von einem Maler gemacht.
Der Maler als Schirmmacher spannt Farbe über die Kiele.
Arnika, Ringelrose
Gemeiner Enzian
Eisenkiel, Brombeerrost
Auch an die Augen der großen Fleischfliege könnte er
gedacht haben
an nasses Wurzelwerk, Gallensteine
an den vorderen Hals des Sterntauchers im Prachtkleid.

Angelika Rainer

SCHIERLING

Ich werfe einen Blick zurück und erkenne die Pfarrkirche St. Leonhard, sie leuchtet in goldgelb in sticht durch die weiße Winterlandschaft hervor. Im Hintergrund erkennt man auch die Öfenspitze – von der habe ich euch bereits in einer Podcastfolge erzählt.

Der Wanderweg führt mich zum ersten Bankerl am Weg, hier steht das dritte Kunstwerk: „Schierling“ aus dem Jahre 1963.

schierlingsbecherpfand
fleckig, harmlos wuchernd, unauffällig
stehst an brachen, äckern, weges-
rändern dir den stängel in den bauch.
horchst auf bangenkraut, hundspetersilie…
blutpeterlein! tollkraut! wüterich!
dich enthülsen, stampfen, dünn aufs
becherwasser streuen – könnt man…
armer schlucker: kein pfand mehr, kein zurück.
doch hat mich dein geruch vertrieben –
mir graust, du miefst, wie maus-urin!
die großen gifte, stehts getarnt:
als heimatstinkendes wegrandkraut.

martin plattner

Ich stapfe weiter im Schnee und gelange an dem zweiten Holzbankl vorbei, aber das Bankl das mir am besten gefällt ist das Dritte. Das ist mein Lieblingplätzchen in Kartitsch. Von dem Bankerl aus beobachte ich am liebsten die Sonnenuntergänge über dem Pustertaler Talkessel.

Die Wolken färben sich von golbgelb in rosaleuchtend und der Himmel taucht in ein klares hellblau. Ein tolles Bild was mein Herz für diese Gegend immer wieder aufs Neue höher schlagen lässt. Mit etwas Glück hängt ab und zu auch eine Hochnebeldecke über den Nachbarsort Heimfels und bei klarer Sicht kann man sogar die Burg Heimfels erkennen. Was für ein Platzl – ich habe hier sogar die Podcastfolge vom Lieblingsplatzl zum Traumberuf aufgenommen.

Ich komme besonders gerne hierher, setzte mich auf ein Bankerl und lausche der Natur – dem Vogelzwitschern und dem Rauschen vom Wind. Nachmittags hat man hier ein tollen Blick auf die Sonnenuhr, wie sie Mittags über Obstans steht und gegen Abend hin im Pustertaler Talkessel untergeht.

BLINDER MANN

Weiters führt mich der Weg zur Bank vor der kleinen Wieser „Schupfe“ – könnt ihr euch noch daran erinnern was die „Schupfen“ sind? Es sind Lagerräume für Heu der weiter vom Haus entfernten Wiesen. Im Winter wird es ins Futterhaus transportiert. Kurz später folgt das nächste Kunstwerk „Blinder Mann“ aus dem Jahre 1965:

Eine Gestalt, die die Zeichen ihrer Blindheit ablegt,
an denen sich die Sehenden ihres Augenscheins
versichern. Eine Gestalt, die sich aus einer Nacht löst,
die nicht länger nur mehr die ihre ist. Die das Atelier
des Malers betritt und ihre Hand über sein Gesicht
gleiten lässt. Am morgen ist dem Künstler als wäre
ihm etwas geraubt worden. Und doch steht jedes
seiner Bilder lautlos an seinem Platz.

Marie Blum

WINTERFESTER RASTPLATZ

Durch den neu angelegten Künstlerweg mit der holzernen, überdachten Schaukel – diese dient als winterfester Rastplatz, hat er etwas ganz Besonderes erhalten. Im Winter wenn der Schnee hier meterhoch liegt kommen die Kunstwerke von Oswald Kollreider nochmal besser zur Geltung. In den Sommermonaten kann man hier die wunderschöne Blumenwiesen erleben, in jedem Feld wächst eine Vielfalt an Wiesenblumen die mein Wanderherz höher schlagen lassen. Ich erfreue mich dann immer wieder einen kleinen Wiesenblumenstrauß mit nach Hause zu bringen. Es ist hier auch ein Holzschnitzkunstwerk von den Wanderfreunden in Kartitsch im Jahre 1993 errichtet worden. Was für ein Zufall – genau mein Geburtsjahr.

BETHLEHEM

Nun habe ich schon zwei Drittel des Wiesenweges hinter mir und es folgt ein Abschnitt durch den Wald. Gleich zu Beginn kann man die Waldschäden der letzten Jahre sehen, man kann es sich kaum vorstellen welche Macht die Natur hat. Ich bin aber hin und weg von dem frisch verschneiten Winterwald  – der meditativen Ruhe und den faszinierenden Blick von unten auf die hohen Baumkronen. Es folgt eine kleine Holzbrücke die mich zum fünften Kunstwerk führt, „Bethlehem“ es stammt aus dem Jahre 1980.

Bethlehem
nacht.himmel.schwarz die ränder des firmaments
zwei quellen von licht klein.sonnen gleich werfen
mit breitem pinselstrich die farben aller tage auf
die flüchtigen schatten der nacht
zeugen wasser und feuer und goldenes korn
schwerer begrenzender stein verliert seine last
von außen drängt sich ein licht.strom durchs tor
er flutet die stadt und
öffnet die tore weit
bethlehem
künderin der geburt

u. elisabeth sarcletti

AUF DEM WEG

Fast schon magisch diese Stimmung – ich sehe nicht nur Fußgangerspuren auf dem Wanderweg sondern auch Spuren von einem Reh über den Waldhang hoch. Ich lausche der Stille im Wald ob ich wohl das Glück habe einen Blick darauf zu erhaschen. Doch diesmal hatte ich leider nicht so viel Glück.
Ich gelange nun zum Bild „auf dem Weg“ aus dem Jahre 1991, das neben einem umgestützen Baum steht.

 

Uneindeutig, rätselhaft. Doch bleibt der Weg zweifellos
eine Notwendigkeit. Wer aber hält? Hält fest am
Weitergehen und an sich selbst? Das Kind oder das
ältere Ich oder doch der, der beides in sich birgt wie
die nicht auszulöschenden Spuren der Herkunft und mit
ersten Schritten gewachsen ist. Einer stützt und verlässt
sich, einer schützt und wächst aus dem anderen hervor.

Robert Prosser

HERBSTWALD

Ich komme wieder aus dem Winterwald raus und werde verabschiedet vom letzten Bild – wie ich finde dem farbenfrohsten von allen. Naja wie soll es auch anders sein, es handelt sich ja um meine liebste Jahreszeit den „Herbstwald“ aus dem Jahre 1955.

in den herbst hinein, in den wald, in die formen
und farben, sohlenlänge um sohlenlänge, nur
den schritten überlassen, kein größeres aufatmen
gibt es, keine freiheit wie diese, im gehen fließen
gegenwart und zukunft ineinander, die sorgen
schwinden, irgendwo ist land in sicht, eine insel
im meer aus wipfeln, ästen und zweigen, voran,
voran und entschieden immer tiefer in die farben
und formen, in den herbst hinein, in den wald

Christoph W. Bauer

ST. OSWALD

Wenn ihr Lust habt könnt ihr noch das Dorf St.Oswald anschauen, vorallem die Kirche St. Oswald, die im gotischem Stil im Jahre 1360 erbaut wurde ist einen Besuch wert. Im Inneren der Kirche findet ihr ein Sgraffito an der Brüstung der Empore, diese stammt ebenfalls von Oswald Kollreider. Es sind die 14 Stationen vom Kreuzweg abgebildet, in einer Art Fries werden sie miteinander verbunden, die kleinen Holzkreuze oberhalb sollen die jeweiligen Stationen markieren.

Man kann diese Winterwanderung auch mit einer Wanderung auf den Dorfberg verbinden um sie so auszudehnen. Rechnet dafür aber eine Tagestour ein.

  • WANDERWEG: Wiesenweg

  • DAUER: 1 h

  • STRECKE: 3,8 km

  • AUFSTIEG: 80 Höhenmeter

  • ZIELGRUPPE: Familienwanderung, Spaziergang

 

Mit öffentlichen Verkehrsmittel: Buslinie 965
Haltestelle Kartitsch Gemeindeamt.

„Diesen Wanderweg kenne ich in und auswendig und zeige ihn gerne meinen Freunden, die mich in Kartitsch besuchen kommen. Denn man erhält hier einen beeindruckenden Weitblick auf das zersiedelte Bergsteigerdorf und kann vom Ortskern in Kartitsch bis nach Hollbruck blicken – um somit die Sonnenseiten des idyllischen Winterwanderdorfs zu zeigen.“

Was hat dir an der Wanderung am besten gefallen? Du hast eine Frage zu der Tour oder an mich? Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen – ich freue mich von dir zu hören

Du bist verzaubert vom Bergsteigerdorf KARTITSCH? Hör rein in die anderen Folgen aus meiner Wahlheimat….

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Kommentare

  • Marko
    8. Dezember 2021

    Griaß di Lena! Großes Kompliment zu deiner neuen Podcastfolge über den Künstlerweg! Der is so Traumhoft wie a Wanderung durch die frisch vernschneite WinterLandschaft! I find di Kombi aus Natur und Kultur sehr gelungen! Und I gfrei mi schoun sehr drauf den Künstlerweg Diesen Winter No Nachzuwandern!

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