einer der berühmtesten
Spazierwege Merans

Podcastfolge: der Tappeinerweg – eine der schönsten Promenaden Europas

Komm mit mir auf eine anspruchsvolle Schneeschuhwanderung in einer frisch verschneiten, unberührten Winterlandschaft mit Blick auf die Sextner Dolomiten. Dabei wird man stets von einer wirklich überwältigenden Bergkulisse begleitet und kann kaum den Blick von ihr lassen. Lass dich von mir zu einer schönen Winterwanderung auf der Sextner Sonnenseite inspirieren.

Das Sextner Tal liegt nicht weit von meiner Wahlheimat dem Bergsteigerdorf Kartitsch entfernt und zwar im östlichsten Teil von Südtirol – im Hochpustertal. An seiner Nordostflanke verläuft die Grenze zwischen Südtirol und Osttirol – am Karnischen Kamm, kurz gesagt: oanmol über’n Berg. Genauer gesagt über den Knieberg  gelangt man von Sexten zur Schutzhütte Obstansersee und kann nach Kartitsch absteigen.

DAS BERGDORF SEXTEN

Das idyllische Bergdorf Sexten liegt auf 1.300m und besteht aus den Fraktionen  Moos, Außerbauerschaft, Außerberg, Kiniger, Mitterberg, Schmieden sowie dem Hauptort St. Veit. 
Die Jahrhunderte alte Kulturlandschaft geprägt von traditionellen Bergbauernhöfen ist schon längst kein Geheimtipp mehr, denn im 19 Jh. hielt in Sexten durch den Alpinismus auch der Tourismus Einzug. Einheimische Führer waren gefragt wie nie zuvor und die wenigen Gasthäuser waren schnell ausgebucht. Bald waren es nicht nur aktive Kletterer, die nach Sexten kamen, sondern auch Menschen, die schlichtweg von der Schönheit der Berge fasziniert waren.
Sie besticht durch seine vielfältige Bergwelt, diese reicht vom romantischen Fischleintal, den majestätischen Drei Zinnen, den atemberaubenden Sextner Dolomiten bis zur sanften Sextner Sonnenseite.

DER KREUZBERGPASS

Der Ausgangspunkt für die Rundwanderung ist der weitläufige, kostenpflichtige Wanderparkplatz am Kreuzbergpass (ital. Monte Croce). Er ist der östlichste Grenzpass Südtirols und liegt auf 1.636 m und einst markierte er die Grenze zwischen der Habsburgermonarchie und Italien. Nun verläuft hier die Grenze zwischen Südtirol und dem Cadore (Provinz Belluno, Venetien) und trennt die Karnischen Alpen von den Dolomiten. Der Pass kann auch ganz bequem mit dem Linienbus erreicht werden, der hier im Stundentakt verkehrt.

Linkerhand startet der präparierte Winterwanderweg #131 in mäßiger Steigung Richtung Nemes Alm und führt über das Naturidyll, dem Biotop Seikofel Nemes Alpe. Man kann die Wanderung zur Nemes Alm auch mit festen Wanderschuhen unternehmen oder man nutzt die Strecke als Höhenloipe.

DIE MICHAELSKAPELLE

Gleich zu Beginn der Wanderung kommen wir an einer Lichtung vorbei, hier liegt frisch verschneit die Michaelskapelle inmitten des hohen Fichtenwalds. Sie ist dem heiligen Michael, dem Schutzpatron der Soldaten, geweiht. Die Kapelle wurde von Much Happacher, dem Gründer vom Hotel Kreuzbergpass, in den Jahren 1992/93 als Dank für den guten Ausgang eines gefährlichen Bergunfalls im Jahr 1966 errichtet.

DER WINTERWANDERWEG

Im Vordergrund steht ein hölzerner Wegweiser, der sich toll als Fotomotiv eignet und rechterhand eröffnet sich schon ein herrlicher Blick durch den Winterwald auf die gegenüberliegende Skipiste unterhalb der Sextner Dolomiten.

Es geht nun stets weiter bergauf durch den frisch verschneiten Fichtenwald. Nach etwa einer halben Stunde kommt man zu einer Abzweigung, hier hält man sich links und folgt weiter der Beschilderung zur Nemes-Alm, bleibt also auf dem Weg #131. Rechts führt der Wanderweg zur Coltrondo-Alm, etwas oberhalb vom Weg kann man einen Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg erkennen.

VAIA

Doch nicht nur dieser Bunker ist ein tragischer Zeitzeuge, im Waldgebiet rund um den Kreuzbergpass erinnern die kahlen Stellen an den Sturm Vaia. In der Nacht vom 29. auf den 30. Oktober 2018 traf der Sturm die Region des östlichen Alpenbogens und richtete hier erhebliche Schäden in den Waldgebieten an, welche man heute noch gut erkennen kann.

Nach der Abzweigung geht es ein Stück bergab, danach wieder in mäßiger Steigung bergauf. Dieses Stück gefällt mir besonders gut, da man hier auf dem Winterwanderweg tolle Fotos vom verschneiten Fichtenwald einfangen kann. Dabei bin ich immer wieder stehen geblieben, weil mich die Natur und ihre Ruhe fasziniert haben. Mein Wanderfreund Burkhard spurte mit seinen Schneeschuhen den frisch verschneiten Weg und da bot es sich an ein paar tolle Fotos von ihm beim Wandern zu machen. Danke fürs modeln.

Durch den dichten Winterwald eröffnet sich ein Blick auf den Knieberg, 2.503m, welcher auch das Sextner Matterhorn genannt wird. Ein spitzer, markanter Berg, der vom Winde verweht ist: so soll ein Berg aussehen meinte Burkhard. Es kommt mir so vor als wäre der Knieberg aus einem Kindermalbuch in diese Gegend versetzt worden.

Nach insgesamt einer Stunde Gehzeit kommt man nochmals zu einer Abzweigung, nun sind wir am Biotop Seikofel-Nemes Alpe angelangt. Der links führende, tief verschneite Weg Suasbeerwald führt zur Klammbachalm. 
Alternativ könnte man auch den Seikofel eine halbe Stunde hoch wandern, dort oben wird man mit einem tollen Blick auf die umliegende Landschaft belohnt.

Wir wandern gerade aus weiter über den langen, breiten Holzsteg und folgen weiter der Beschilderung zur Nemes-Alm. Das Biotop ist im Winter von einer weißen Schneedecke umgeben, fast schon so als wäre es in einen tiefen Winterschlaf gefallen.

DAS BIOTOP SEIKOFEL-NEMES ALPE

Seine artenreiche Fauna und landschaftliche Vielfalt machen das Feuchtbiotop Seikofel-Nemes Alpe einzigartig und ökologisch wertvoll, sodass das 277 Hektar große Hochmoor dem Naturschutzgebiet Natura 2000 angehört. Hier findet man eine große Bandbreite von unterschiedlichen Moor- und Waldgesellschaften, einige Tümpel sind übrigens infolge der Granateinschläge des Ersten Weltkriegs entstanden. Die seltene Pflanzenvielfalt lässt sich am besten in den Sommermonaten entdecken, vom Sumpfblutauge, dem rundblättrigen Sonnentau bis hin zu einer meiner liebsten Almblumen: dem Knabenkraut, das zur Familie der Orchideen gezählt wird.

Ich dreh mich einmal um und schon ist es um mich geschehen, der atemberaubende Blick auf die Sextner Dolomiten zieht mich in seinen Bann. Ich bin ganz verzaubert von der wunderschönen, verschneiten Winterlandschaft – ja das ist ein echtes Winterwunderland. Die Spuren führen uns vom Biotop durch den Wald hindurch und auf einmal habe ich eine freie Sicht auf den Knieberg, der von hier aus wie eine Pyramide aus dem Boden ragt. Der Wanderweg führt nochmals über einen Holzsteg.

DIE NEMESALM

Auf dem sanften, schneeverwehten Berghang thront die Alpe Nemes Hütte auf 1.877m. Sie wird von den Wirtsleuten Klara und Otti zur Wintersaison vom Anfang Dezember bis zum Ostermontag sowie in der Sommersaison von Mitte Mai bis 1. November durchgehend betrieben. Auf der großzügigen Sonnenterasse wird man vom malerischen Dolomitenblick auf  den Arzalpenkopf, die Rotwand, den Burgstall, die Schusterplatte und die Dreischusterspitze mit 3.152m (der höchste Punkt von Sexten) belohnt. Dabei kann man traditionelle Südtiroler Gerichte sowie den legendären köstlichen hausgemachten Apfelstrudel von Otti genießen. Mit etwas Glück, wenn es die Zeit zulässt, spielt er auf seiner „Ziehorgel“. So nennen wir im Südtiroler Dialekt die Ziehharmonika.

Wir folgen dem Weg ein Stück zurück und biegen dann rechts auf den Höhenweg #13 in Richtung Klammbachalm. Hier ist zu Winterbeginn ohne Schneeschuhe kaum ein Durchkommen möglich und wieder spurt Burkhard voran, denn ich werfe nochmals einen letzten Blick zurück auf den Knieberg und genieße das herrliche Bergpanorama. Seit dem Winter 2017/18 wird dieser Weg auch als  Höhenloipe genutzt, die von der Nemes Alpe bis zur Klammbachalm führt

Leise rieselt der Schnee von den hohen Fichten und ich lausche dem Knirschen vom Schnee unter meinen Füßen. Wir tauchen ein in die märchenhafte Winterwelt des Purnwalds. Das Spuren im Neuschnee ist sehr kräftezehrend und beansprucht jede Menge Ausdauer. Da sind wir sehr froh, dass der Weg von seiner Steigung meist eben dahingeht. Dafür wird man mit einem tollen Blick auf die Sextner Dolomiten belohnt und so haben wir gleich mehr Motivation.

Am Ende führt der Weg uns nochmals abwärts in eine Kehre bevor die letzte Gerade uns zur Klammbachalm führt. Was für ein Gefühl, nach 2 Stunden Spurenziehen im Schnee endlich unser Ziel vor Augen zu haben. Das letzte Stück geht ziemlich schnell, denn hier kann man die Windverwehungen am Hang sehen. Über die kahlen Stellen wandert es sich recht einfach und flott, denn der Wind saust mir hier um die Ohren.

DIE KLAMMBACHALM

Die Klammbachalm (1.950m) liegt auf einem idyllischen Hügel und darüber thront die Hollbrucker Spitze. Etwas unterhalb leuchtet der Lärchenwald orange, ein tolles Bild geprägt durch den Kontrast der weißen Winterlandschaft.

Hier wird man von Martina und Hannes mit ihrem Team im Winter von Dezember bis Ostern sowie im Sommer von Ende Mai bis Ende Oktober herzlich empfangen und mit köstlichen Spezialitäten verwöhnt. Montags ist hier Ruhetag. In den Sommermonaten sind hier zahlreiche Kühe und Pferde für ihre Sommerfrische auf der Alm untergebracht. Nicht zu vergessen die vielen Esel, die mir mal das Ein und Ausgehen beim Holzzaun zur Alm fast unmöglich machten. Passt auch auf eure Rucksäcke auf, denn die Esel sind schon sehr hinterlistig.

Wir machen eine kleine Rast auf der großen Sonnenterasse und freuen uns über die wohltuenden Sonnenstrahlen auf unseren Gesichtern. Dabei können wir fast schon ein einzigartiges, beeindruckendes Naturschauspiel beobachten: der Nebel zieht vom Comelico hoch und die Wolken umhüllen die Drei Zinnen, sodass nur noch ein kleines Fenster mit Blick auf zwei der Zinnen zu sehen ist.

DIE SEXTNER SONNENUHR

Bei freier Sicht wirkt die Sextner Sonnenuhr fast schon zum Greifen nahe. Sie ist das Highlight dieser Wanderung. Dieses steinerne Ziffernblatt ist die größte Sonnenuhr der Welt und besteht aus: der „Neuner“, der „Zehner“ Sextner Rotwand, der „Elfer“, dem Zwölferkofel und dem „Einser“, es gibt sogar einen „Achter“ der wird aber Arzalpenkopf  genannt. Einst richtete man sich in Sexten hauptsächlich im Winter zeitlich nach dem Sonnenstand über den Gipfeln.

Kurz vor dem Abstieg warf ich nochmals einen Blick auf die Klammbachalm zurück und muss gestehen, die urige Almhütte aus Holz gefällt mir persönlich im Sextner Tal am besten.

Wir folgen nun dem präparierten Winterwanderweg #133 talabwärts in Richtung Saumahd. Es geht durch einen dichten Fichtenwald hinunter und an einer Stelle am Wegesrand habe ich an einem Baumstamm ein Herz in die Rinde geritzt gesehen. Vielleicht entdeckst du es ja auch.

Unten am Abstieg angelangt überqueren wir nun linkerhand den Pfandlbach und wandern wieder dem Wanderweg #13 gegenüber vom Altenbergbach und dem Sausbeerwald entlang.

Das Wetter zieht mehr und mehr zu und der Wind in der Ebene ist echt tückisch, deshalb beeilen wir uns auf unserem Rückweg. Auf der Höhe vom Seikofel nehmen wir die Abzweigung nach rechts und wandern dem präparierten Winterwanderweg #13b entlang, überqueren dabei den Altenbergbach und wandern wieder zur Abzweigung vom Biotop Seikofel Nemes Alpe zurück. Überraschend und gerade zur rechten Zeit kam, dass der Winterwanderweg #13b erst frisch gespurt wurde, denn am Anfang der Wanderung war diese Abzweigung in der Nähe vom Biotop noch gar nicht zu sehen.

An der Abzweigung angelangt schauen wir nochmal zurück und können ein helles Leuchten auf der Klammbachalm oben sehen. Es herrscht eine magische Stimmung zum Sonnenuntergang.

Wir folgen nun dem frisch gespurten Winterwanderweg #131 zurück zu unserem Ausgangspunkt, dem Parkplatz Kreuzbergpass. Für die Strecke von der Klammbachalm bis zurück zum Ziel sind es nochmals 2 Stunden. Passend zum Sonnenuntergang haben wir es wieder zurück geschafft und sind im wahrsten Sinne des Wortes echt geschafft – was für eine Schneeschuhtour.

  • WANDERWEG: #131, #133, #13, #13b

  • DAUER: 5,5 h

  • STRECKE: 13,6 km

  • AUFSTIEG: 440 Höhenmeter

  • ZIELGRUPPE: gut konditionierte Schneeschuhwanderer, Hobbyfotografen

Mit öffentlichem Verkehrsmittel: Buslinie 446 
Haltestelle Kreuzbergpass

Diese anspruchsvolle Schneeschuhwanderung hat mich in ihren Bann gezogen.
Durch eine herrlich, frisch verschneite Winterlandschaft zu stapfen, das Knirschen vom 
ersten Schnee unter meinen Füßen zu hören und dabei die Schneeflocken vom Himmel fallen zu sehen – ja so muss ein Winterwunderland für mich aussehen. 
Dabei wird man stets von einer wirklich überwältigenden Bergkulisse begleitet und kann kaum den Blick von ihr lassen. Dabei nicht zu vergessen ist ein Einkehrschwung in den urigen Almhütten,  bei denen man auf der Sonnenterasse kulinarisch sowie von einer toller Aussicht verwöhnt wird.

Was hat dir an der Wanderung am besten gefallen? Du hast eine Frage zu der Tour oder an mich? Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen – ich freue mich von dir zu hören

Du bist verzaubert von den winterlichen Dolomiten in SÜDTIROL? Hör rein in die anderen Folgen aus meiner Heimat….

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